Überschuldungsrisiko CFD Trading

CFDs (Contracs for Differences) sind gehebelte Anlageprodukte, die den Anleger am Kurs eines Basiswertes partizipieren lassen – je nach Hebel um das 50-, 100- und manchmal auch 400-Fache. Kleinere und noch größere Hebel sind natürlich auch möglich. Die Hebelwirkung gilt für den Gewinn- und den Verlustfall. Ist es möglich, sich mit CFDs zu verschulden? Auch wenn es wohl nur in Ausnahmefällen möglich zu sein scheint, besteht das Risiko wohl tatsächlich und auch das vorherige Üben mit einem CFD Demokonto hilft hier nicht weiter, wenn dieses Szenario beim realen Handel eintritt. Spiegel Online berichtete über einen solchen Fall. Lesen Sie selbst, wie das möglich war.

Nachschusspflicht ist gefährlich

Normalerweise, so viel weiß der aufgeklärte Anleger, setzt der Trader unter seinen Einstiegskurs einen Stopploss, um den Verlust zu begrenzen. Ein Stopploss muss nicht punktgenau greifen, es ist immer eine Differenz zwischen Stopploss- und Ausführungskurs möglich, die sogenannte Slippage. Sie kann in günstigen Fällen sogar zugunsten des Anlegers ausfallen, doch sie kann auch Verluste vergrößern oder Gewinne schmälern. Bei ruhiger Marktlage gibt es gar keine Slippage, bei etwas mehr Volatilität sind es im Normalfall ein bis zwei Punkte. Schlimmstenfalls rechnen Trader mit einem Totalverlust ihres Einsatzes. Womit sie hingegen nicht rechnen, ist ein noch höherer Verlust. Dieser kann aber entstehen, wenn der Broker die Nachschusspflicht nicht explizit ausschließt. Einige Broker machen das, andere nicht. Diese Nachschusspflicht entsteht, weil der Broker das hinter dem Hebel stehende Kapital dem Trader eigentlich nur borgt. Ein solcher Fehlschlag kann die positive Performance vieler Trades aus der Vergangenheit auf einen Schlag in der Summe ins Minus drücken.

Wer 100 Euro mit einem Hebel von 1:100 setzt, spielt eigentlich mit 10.000 Euro. Ohne Ausschluss der Nachschusspflicht muss er, wenn es keinen Stopp gibt oder dieser durch Slippage nicht greift, für diese 10.000 geradestehen. So geschehen einem deutschen Trader, 28 Jahre alt und von Beruf Ingenieur, der Anfang 2015 CFDs im Wert von 2.800 Euro auf den Eurokurs versus Schweizer Franken gesetzt hatte. Der Schweizer Franken war damals durch die Schweizer Nationalbank auf eine Obergrenze von 1,20 gegen den Euro fixiert worden.

Doch am 15. Januar 2015 gab die SNB den Kurs überraschend frei, der Kurs des Schweizer Franken schoss in Minuten um 20 % in die Höhe (am Währungsmarkt eine enorme Differenz), CFDs vollzogen die Bewegung gehebelt mit. Der Hebel unseres jungen Ingenieurs lag bei 1:400, ein normaler Stopp griff nicht mehr. Erst beim Hebel von 1:100 wurden die CFDs im Verlust verkauft und verursachten eine Nachschusspflicht, auf welche der Broker pflichtgemäß hingewiesen hatte: Aus 2.800 Euro Einsatz entstanden 280.000 Euro Verlust.

Was geschieht mit solchen Schulden?

Der Broker hat rein juristisch das Recht, das Geld per Nachschusspflicht vom Trader einzufordern. Der Ingenieur war nicht der einzige Fall ein Deutschland. Er tauschte sich in Online-Foren aus und fand beispielsweise einen Physiotherapeuten, bei dem es um 30.000 Euro ging – sein Einsatz hatte 1.500 Euro betragen. Juristische Schritte gegen die Broker haben sehr wenig Aussicht auf Erfolg, denn die Broker klären auf ihren Webseiten über die entsprechenden Risiken umfänglich auf. Tradern kann geraten werden, sich nur noch Broker ohne Nachschusspflicht zu suchen, doch wer in die Lage der beschriebenen Fälle gerät, muss zur Schuldenberatung. Es dürfte möglich sein, mit dem Broker eine Ratenzahlung plus Vergleich auszuhandeln. Auch könnte der Trader künftige Gewinne aus seinen Geschäften an den Broker abtreten, bis die Schulden (oder eine per Vergleich erzielte Summe) abbezahlt sind. Ein Bündel solcher Maßnahmen hilft, wenn der Broker verhandlungsbereit ist. Schuldenberater erreichen manchmal so eine Vereinbarung. Ansonsten dürfte einigen Betroffenen nur noch der Weg in die Insolvenz bleiben.